…Karl Lueger in der Ecke

Einreichung zum OPEN CALL – Ausschreibung zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus in Österreich

…Karl Lueger in der Ecke oder karl! in die ecke.


Blickt man vom Ring aus auf den Denkmalplatz, sieht man zuerst eine hügelige Landschaft aus liegenden Gesichtern. Der zweite Blick zeigt eine bunte, große Frauenfigur, die an der höchsten Spitze des Denkmalplatzes thront.

Beschreibung

Auf dem bestehenden Denkmalplatz wird Erde hügelig bis zu einer Höhe von einem halben Meter aufgeschüttet. Große Gesichter aus Polyester (ca. eineinhalb Meter pro Gesicht) formen sich aus dieser Erde heraus.  Die Masken haben verschiedene Gesichtsausdrücke – sie liegen einfach wie selbstverständlich da.

In die Oberflächen, in die Haut der Gesichter sind kurze einprägsame Texte eingeritzt – Texte von jüdischen Frauen und Männern, Texte zum aktuellen Sicherheits-, Ordnungs- und Ausschließungs-Diskurs und kurze, griffige Texte zum Thema Antirassismus.

Zwischen den Gesichtern entstehen Gehwege, die von den BesucherInnen begangen werden können. Wasser wird in offenen und geschlossenen Röhren durch die Erdhügel geleitet. Manchmal läuft es unterirdisch weiter, kommt jedoch immer wieder sprudelnd an die Oberfläche. So ladet der Platz auch zum Entdecken, zum Schauen und zum Lesen der Texte ein.

Die farbliche Gestaltung des neuen Denkmalbodens ist grau bis schwarz (die Gesichter sowie die dunkle Erde). Die Rosen, die neben den Wegen gepflanzt werden, sind ebenfalls in dunkler Farbe gehalten.

Sitzgelegenheiten und Bänke stehen am Rande des Platzes zur Verfügung, ebenso ist eine Tafel mit einer Erläuterung zum Denkmalplatz angebracht.

An der eigentlichen Denkmalskulptur wird sich grundsätzlich nichts ändern – außer: Karl Lueger steht nicht mehr ganz oben am höchsten Punkt. Die Statue wird herunter genommen. Sie steht jetzt unten, in der äußeren Ecke des Denkmalplatzes: in der Ecke stehend soll er symbolisch über seine Taten nachdenken.

Vor ihm steht ein Pult mit einer Erklärungstafel zu seiner Person als charismatischer Bürgermeister im Widerspruch zu seinem Wirken als agitierender Antisemit. Rund um das Pult werden am Boden goldene Pflastersteine ausgelegt im Gedenken an die in Wien ermordeten jüdischen Menschen.

Auf dem höchsten Punkt des Denkmales steht jetzt eine Frauenfigur. Sie ist mächtig – groß – wild – bunt – nackt – und frei.  Sie ist aus Polyester geformt und in verschiedenen Rot-Tönen gestrichen. Ihre Haut ist mit dicker Acrylspachtelmasse überzogen. Ganz in Wiener Tradition trägt sie ein weißes Ballettröckchen. Sie zeigt sich in ihrer Fülle, Kraft und Wehrhaftigkeit. Sie hat nun den Platz des ehemaligen antisemitischen Bürgermeisters eingenommen.

Die Figur soll frei über Karl Lueger und seiner Zeit in die Zukunft schweben und über das, für was er steht, triumphieren. Durch ihre kraftvolle Präsenz verweist sie ihn in die Ecke seines populistisch-aggressiven christlichen Antisemitismus und zeigt in eine neue Zeit.

Zur Zeit Karl Luegers waren die Frauen noch nicht wahlberechtigt, sie hatten keinen Zugang zu Bildung. Sie waren unterdrückt und „dem Manne untergeordnet“.

Mir ist es deshalb wichtig, bei der Neugestaltung des Denkmals gegen Antisemitismus und Rassismus eine weibliche Figur ins Zentrum zu rücken und damit ein starkes Symbol in der männlich dominierten Denkmalkunst zu setzen.

http://www.opencall.luegerplatz.com/

 


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